Donnerstag, 22. Juli 2010

Der Deckel auf dem Bohrloch bleibt

Die Abdichtung am Grund des Golfs von Mexiko hält offenbar. Das Bohrloch soll nun geschlossen bleiben. Bekommt BP die Ölpest endlich in den Griff?

Die Belastungstests am lecken Bohrloch im Golf von Mexiko verlaufen nach Angaben von BP positiv

Dieser Erfolg ist keine Dauerlösung, sondern nur eine Unterbrechung der hässlichen Bilder. Seit Donnerstag, dem 87. Tag nach der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon, zeigen die Aufnahmen der Unterwasserkameras um das Unglücksbohrloch: Hier fließt kein Öl mehr ins Meer. Das neue Auffangsystem hält dicht. Das Ende der Ölpest ist das aber nicht. Die Drucktests im Inneren liefern doppeldeutige Ergebnisse: Sie sind niedriger als erwartet. Daher ist nicht auszuschließen, dass irgendwo weiter Öl und Gas austreten. So ordnete der Ölkrisenmanager der US-Regierung, Admiral Thad Allen, an, die Messungen vorerst fortzusetzen. Unklar ist, für wie lange.
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Zuletzt schien es, als seien sich Allen und BP nicht ganz einig, wie es danach weitergehen soll. Allen kündigte an, nach Ende der Tests "beginnen wir sofort wieder mit dem Abpumpen“. Das würde bedeuten, dass Amerika erneut Bilder von ausströmendem Öl sieht. Für die Umstellung von Druckmessung zu Abpumpen müssen die Ingenieure die Ventile, durch die Öl austritt, öffnen. Der BP-Manager Doug Suttles sagte, das Bohrloch bleibe bis auf weiteres geschlossen. "Es gibt augenblicklich kein Datum, wann es wieder geöffnet werden soll."

Die Messungen sollen Aufschluss geben, ob die Wände des Bohrlochs dicht sind oder bei der Explosion am 20. April Risse erlitten haben. Die Grundannahme lautet: Das Macondo-Ölfeld tief unter dem Meeresboden steht unter hohem Druck. Nachdem BP die neue, abgedichtete Auffangglocke auf den Blowout Preventer an der Spitze des Bohrschachts gesetzt hatte, hätte der Druck innen langsam ansteigen müssen auf deutlich über 6000 psi (pounds per square inch); das entspricht etwa 414 Bar. Ein Wert deutlich unter 6000 psi wäre ein klares Zeichen, dass die Einfassung des Bohrlochs undicht ist und Öl und Gas in das umliegende Gestein entweichen. Beruhigend wären nach Auskunft der Experten Druckmessungen von 7500 psi und höher. In mehreren Versuchsreihen wurden jedoch nur 6745 psi gemessen.

BP sagt, die Zahl belege, dass der Bohrschacht keine Risse aufweise. Parallel seien seismische Messungen vorgenommen worden sowie Ultraschallaufnahmen. Sie hätten Anzeichen geliefert, falls sich Öl und Gas unter Druck tatsächlich einen Weg ins Freie suchen. Der moderate Druckwert sei also nicht Folge von Lecks. Sondern nachdem das Öl drei Monate lang ungehindert ins Meer fließen konnte, sei die Lagerstätte stärker geleert als angenommen – und lasse der Druck nach.

Die gesammelten Daten helfen laut Admiral Allen bei künftigen Entscheidungen. Man wisse nun, dass man das Bohrloch verschließen könne, wenn zum Beispiel ein Hurrikan das Abpumpen des Öls in Tankschiffe unterbricht. Die Pläne zum dauerhaften Verschließen des Bohrloch von innen setzen weiter auf Entlastungsbohrungen von der Seite. Sie sollen ihr Ziel Ende Juli erreichen.

Viele Jahre wird es freilich dauern, die Umweltschäden durch die Ölpest zu beseitigen. Ein Spezialschiff namens Wal, welches Öl auf der Wasserfläche aufsaugen sollte, hat sich unterdessen als Enttäuschung erwiesen. Es ist wegen seiner Größe nicht manövrierfähig genug um kleinere Öllachen einzufangen. Und die Trennung des Öls vom Wasser funktioniert nicht so effektiv wie die Schiffseigner versprochen hatten.

Ein Beitrag des Tagesspiegels.

Quelle: Zeit-Online

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